Falsches Training und die Folgen – Eine Selbsterkenntnis

Hallo liebe Leser,

es gibt viele Fitnesstrainer die Ratschläge rund um das Training, die richtige Anwendung und deren mögliche Folgen bei einer falschen Ausführung aus dem Lehrbuch geben. Aber leider haben die wenigsten die Folgen am eigenen Körper erlebt…

In dem heutigen Blogpost möchte ich euch meine Erfahrungen mit Fehlern beim Training und dessen Folge, sprich Verletzung, schildern.

Im Jahr 2012 entdeckte ich die Möglichkeit des Trainings mit Eigenkörpergewicht. Das Schlingentraining! Zunächst etwas skeptisch, sah ich mir einige Trainingsvideos auf YouTube an und legte mir schließlich TRX – Bänder zu. Nach den ersten Wochen war ich begeistert und konnte auch entsprechende Erfolge verbuchen. So konnte ich dann im Anschluss auch mehrere Trainingspläne erfolgreich durcharbeiten.

Aber wer kennt das nicht? Irgendwann will man mehr. Man forscht im Internet nach weiteren Möglichkeiten wie man das Trainingsgerät noch erfolgreicher nutzen kann.

Irgendwann entdeckte ich den TRX-Handstand-Pushup. Dabei vollzieht man in den Bändern einen Handstand, beugt die Ellenbogen und drückt sich im Anschluss wieder nach oben.

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Die ersten Versuche liefen auch ganz gut. Irgendwann merkte ich jedoch im linken Schultergelenk einen leichten Schmerz. Ich dachte mir: „Ach, das ist halb so schlimm. Zwei Wiederholungen schaffst Du noch.Das war der erste Fehler!

Bei der angestrebten zweiten Wiederholung spürte ich dann einen stechenden Schmerz und musste das Training abbrechen. Ich kühlte die Schulter nach dem Training und schmierte mir im Anschluss eine Creme drauf. Der Schmerz ließ in den folgenden Stunden / Tagen dann auch wieder nach.

Dann der zweite Fehler! Ich ging wieder zum Training. Anstatt aber moderat zu trainieren, setzte ich mein Gerätetraining mit den alten Gewichten fort. Die Folge: Die Schmerzen in der Schulter nahmen wieder zu.

Es folgte ein Kreislauf. Kurze Trainingsbrechung von ein paar Tagen, wieder Training, neue Schmerzen, Pause, Training, Schmerzen…. die Einsicht setzt ja oft sehr spät ein. So auch bei mir. Es kam wie es kommen musste. Eine Entzündung in der Schulter, sprich Schleimbeutelentzündung. Diese äußerte sich dadurch, dass ich den Arm nicht mehr anheben konnte und jede auch noch so geringe Bewegung im Schultergelenk Schmerzen verursachte.

Dann folgte die übliche Prozedur. Der Gang zum Orthopäden, mehrere Cortisonspritzen, Rehabilitation. Und das über mehrere Wochen. Immer wieder wurden die Schmerzen besser, dann wieder schlimmer.

Durch die Schmerzen schränkt man automatisch die Bewegungen ein. Die Folge: Verkürzung der Sehnen, Muskelabbau und die sogenannten „Frozen Shoulder“; eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter.

Die Rehabilitation verlief langsam und sehr schmerzhaft. Neben den wöchentlichen drei Physio-Terminen musste ich täglich Dehnübungen machen. Anfangs ohne Gewichte, anschließend mit leichten Gewichten. Durch die Dehnung der Schultergelenksstruktur kam es immer wieder zu kleineren Rückschlägen und erneuten Entzündungen.

Nach etwa einem dreiviertel Jahr hatte ich die Entzündung überwunden, die Bewegungseinschränkungen waren auf ein Minimum reduziert und ich konnte wieder langsam mit dem Training an Geräten anfangen.

Hier machte ich Fehler Nummer 3:
Ich bedachte nicht, dass die bewegungseinschränkte Seite ja muskulär enorme Defizite aufwies. So trainierte ich beide Seiten mit den gleichen Gewichten. Die Folge war ein Training innerhalb der Fehlstellung des Bewegungsapparates. Die Fehlstellung festigte sich durch das Muskelaufbautraining und verursachte starke Verspannungen in der Schulter-Nacken-Muskulatur und im unteren Rücken. Ich bekam Kopfschmerzen und starken temporären Schwindel, sowie Schmerzen im Lendenwirbelbereich.

Also wieder zum Arzt. Wieder eine Vorordnung für Physiotherapie. Und das über mehrere Monate. Hier wurde dann mit Hilfe der Therapeuten die Muskulatur wieder gleichmäßig aufgebaut. Heute bin ich nun endlich wieder in der Lage „normal“ zu trainieren. Allerdings verspüre ich bei zuviel Training immer noch gewisse Nebenwirkungen.

Fazit:

Rückblickend und im Hinblick auf die Erkenntnisse meiner späteren Ausbildung zum Sport- und Fitnesstrainer kann ich euch nur folgendes raten:

1. Wenn ihr neue Geräte ausprobiert, holt euch für die ersten Trainingseinheiten einen Trainer dazu, der die richtige Ausführung überwacht.

2. Sobald ihr einen Schmerz verspürt: AUFHÖREN!!! Die Ausführung wird dann mit Sicherheit nicht richtig gewesen sein. Die Übung dann auch nur mit einem Trainer nochmal wiederholen.

3. Habt ihr euch verletzt, kuriert diese vollständig aus! Bitte nicht wieder zu früh anfangen. So riskiert ihr eine Verschlimmerung und weiteren Schaden.

4. Bei der Wiederaufnahme des Trainings bitte daran denken, dass der „geschädigte“ Bereich Defizite aufweist; also verringerte Dehnfähigkeit, weniger Muskulatur usw. Also zunächst auf der eingeschränkten Seite weniger Gewicht auflegen!

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann teilt mir diese bitte mit! Ich würde mich sehr darüber freuen.

Bitte liken und teilen…. danke und bis bald 🙂

Gerry
Der FitnessCoach

  1. Ein sehr guter und interessanter Artikel!! Man ist ja meistens wirklich zu stur und erfolgsorientiert um sich selbst einzugestehen, dass es manchmal sinnvoller ist zu pausieren und sich von Verletzungen zu erholen, um langfristig in vollem Umfang weiter trainieren zu können.

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