Sport und Bewegung - Das Seniorenalter

Sport und Bewegung im Seniorenalter | Teil 1

Hallo liebe Leser,

in Teil 4 der Artikelreihe „Sport und Bewegung in allen Lebensphasen“ beschäftige ich mich nun mit dem Seniorenalter. Hier haben Sport und Bewegung eine ebenso große und wichtige Bedeutung wie in allen anderen Lebensphasen.

Wer die bisherigen Artikel noch einmal nachlesen möchte, kann das unter folgenden Verlinkungen tun:

Sport und Bewegung im Kindes- und Jugendalter | Teil 1
Die praktische Anwendbarkeit von Fitnesstraining im Kindes- und Jugendalter | Teil 2
Sport und Bewegung im Erwachsenenalter | Teil 3

Das Erwachsenenalter

In unserer Gesellschaft ist das Seniorenalter mit Begriffen wie Ruhestand, Gebrechlichkeit und Krankheit verknüpft. Und so entstehen Vorurteile, dass ältere Menschen nicht mehr belastbar und sowieso aufgrund von Verschleißerscheinungen kaum dazu in der Lage sind, Sport richtig und effizient auszuführen. Leider war und ist es auch so, dass auch ältere Menschen sich mit diesen Vorurteilen identifizieren und damit einfach abfinden.

Aus diesem Grund wurden vor einigen Jahren kaum sportliche Aktivitäten für unsere älteren Generationen angeboten. Zum Glück wurden das sogenannte „Defizitmodell der geistigen Entwicklung“ und die „Adoleszenz-Maximum-Hypothese“ heute widerlegt.

Heutzutage werden eine Vielzahl von Kursprogrammen und sportliche Aktivtäten für ältere Menschen angeboten. Und das ist auch gut so! Denn sportliche Aktivitäten können den Leistungsabfall und körperlichen Verschleiß verzögern und sogar positiv beeinflussen.

Laut WEINECK (2002) wird die Leistungsfähigkeit zu 60 – 70 % durch das Erbgut und zu 30 -40 % durch äußere Einflüsse (dazu zählt auch körperliches Training) bestimmt. Man sagt generell, dass die Leistungsfähigkeit ab dem 30. Lebensjahr abnimmt. Ein sogenannter Leistungsknick kann ab etwa dem 40. Lebensjahr auftreten. Unter Leistungsknick versteht man das sprunghafte Abnehmen der Leistung und Funktionen des Körpers.

Durch körperliches Training kann man diesen Prozess jedoch nach hinten verschieben, sodass ein Leistungsknick sogar erst in den 70er Lebensjahren auftreten kann.  Das klingt doch unglaublich gut, oder?

Welche Effekte hat das Training im Seniorenalter?

Ich möchte in diesem Abschnitt die negativen Veränderungen und die positiven Auswirkungen durch Training im Seniorenalter zunächst tabellarisch darstellen.

Negative Veränderungen im Alter Positive Auswirkungen durch Training
Erhöhung des Blutdrucks Regulierung des Blutdrucks in den Normalbereich
Verminderung der Herzleistung Ökonomischere Herzleistung durch verbesserte Sauerstoffausnutzung

–          Dadurch Reduzierung der Pulsfrequenz

Verlust an Muskelmasse Verbesserung der Muskelleistung
Verschlechterung der Gewebestrukturen wie z.B. Knochen Erhalt der Gewebestrukturen; insbesondere Verbesserung von Osteoporose
Elastizitätsverlust der Gefäße Verbesserung der Blut-Fließeigenschaften
Gelenksteifigkeit Verbesserung der Beweglichkeit und der koordinativen Fähigkeiten
Oftmals Zunahme des Körpergewichts Bessere Regulierung des Körpergewichts
  Verbesserte Atmung und Lungenfunktion
  Erhaltung der eigenen Selbstständigkeit
  Verbesserung der Gehirnaktivität
  Anregung des Stoffwechsels und somit auch Beschleunigung des Abtransports von Schlackenstoffen

Das Altern geht oft einher mit Inaktivität; sowohl körperlich, als auch geistig und sozial. Dadurch wird der Mensch unzufrieden und die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab. Die Folgen durch die Inaktivität sind die Zunahme von Körpergewicht und eine Zunahme der Verletzungs- und Krankheitsanfälligkeit.

Durch das körperliche Training kann man dem aber entgegenwirken. Die körperliche Leistungsfähigkeit bleibt länger erhalten. Gesundheitsgefährdende Risiken werden minimiert, das Herz-Kreislauf-System bleibt stark. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die soziale Eingebundenheit. Gerade in Fitnessstudios trifft man heutzutage viele Senioren. Es tut ihnen gut am sozialen Leben teilhaben zu können. Auch ein wichtiger Faktor für die körperliche und geistige Gesundheit.

Ich habe in meinem Fitnessstudio mehrere ältere Menschen, die ich wirklich bewundere. Ein Fall zum Bespiel, ein mittlerweile 74 jähriger Mann, geht drei- bis viermal in der Woche ins Studio und absolviert dort ein Kraft- und Beweglichkeitstraining. Er schafft es locker noch 10 Klimmzüge (ohne Hilfsgewichte!!!) und 10-15 Liegestütze zu machen. Nach seinem Krafttraining führt er zusätzlich noch ein Dehn- und Bewegungstraining aus. Dazu gehören einfache Übungen wie Armkreisen usw. Ich finde, das ist eine tolle Leistung in dem Alter. Ich hoffe, dass ich in dem Alter auch noch so fit sein darf. 

Wie ihr unschwer erkennen könnt, hat das körperliche Training nur positive Eigenschaften. Vergleicht man zwei Menschen gleichen Alters, einer sportlich aktiv, der andere inaktiv, kann man leicht einen Unterschied im biologischen Alter feststellen. Dieser kann zwischen 10 und 20 Jahren liegen!

Und wie MÄGERLEIN/HOLLMANN in WEINECK 2002a, S. 427 schon feststellten:

„Körperliches Training ist bis heute die einzige wissenschaftlich gesicherte Methode, den älter werdenden Menschen biologisch jünger zu erhalten als es seinem chronologischen Alter entspricht.“

Mit diesen tollen Worten möchte ich auch den ersten Teil des Artikels für das Seniorenalter abschließen. Im nächsten Teil werde ich mich mit der praktischen Anwendbarkeit von Fitnesstraining im Seniorenalter befassen.

Ich hoffe, dass euch das Thema interessiert und der Artikel gefallen hat. Wenn ihr Fragen habt, einfach per EMail oder die Kommentarfunktion melden. 🙂 Über Kommentare und Likes würde ich mich freuen.

Bis bald
Gerry
Der Fitness-Coach


Bitte abonniere meinen Newsletter und erhalte regelmäßig Neuigkeiten zu Veröffentlichungen und Gewinnspielen. Selbstverständlich werden Deine Daten streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergeben.

Email-Adresse

Ein Kommentar

  1. Leider nutzen viele Leute ihr Alter als Ausrede, damit sie sich nicht anstrengen brauchen. Als Physiotherapeutin höre ich immer wieder „Sie erwarten doch etwa nicht, dass ich in meinem Alter noch Übungen mache?!?“ oder „Ich kann das nicht, ich habe verschlissene Gelenke.“

    Andererseits kenne ich eine Frau, die jahrelang zwei mal die Woche joggen ging. Über die Jahre wurde sie zwar langsamer und die Strecken kürzer, aber sie tat etwas für sich. Im Alter von 89 Jahren musste sie das Training dann leider beenden, weil sie sich bei einem Fahrradsturz die Schulter brach. Mittlerweile ist sie über 90 und benötigt trotzdem keinen Rollator. So fit möchte ich auch gerne bleiben!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.